Hermann Jordan

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Biographie

Hermann Jordan wurde geboren am 07. August 1907 in Dortmund als Sohn von Aaron, genannt Albert, und Auguste Jordan und starb am 26. Mai 1965; der Todesort lässt sich nicht genau feststellen. Er besuchte die jüdische Volksschule in Dortmund und seit Ostern 1921 die Städtische Knaben-Mittelschule Dortmund in der Brügmannstraße, wo er am 31. März 1924 sein Abschlusszeugnis erhielt.

Berufliche Laufbahn

Im Anschluss absolvierte er bis Juni 1927 eine Schlosserlehre bei der Firma „Dortmunder Autohaus“ (Inhaber Fleischer & Co.) in der Bornstraße 27. Vom 15. August 1927 bis zum 31. Januar 1929 arbeitete er bei der Firma Ludwig Adler in Frankfurt am Main, die Maschinen und Werkzeuge zur Metallbearbeitung herstellte. Dort war er auch im kaufmännischen Bereich tätig. Vom 30. März bis 31. August 1929 verkaufte er für die Firma R.O. Heinze in Wittenberg Motorräder. Anschließend war er für die Essener Firma Kretzer & Ochsenfahrt tätig, bei der er Autoreifen aufarbeitete.

Nach eigener Aussage gründete er im März 1930 gemeinsam mit dem Teilhaber Max Meyer eine Autowerkstatt unter dem Namen „Castroper Autohaus“. Das Geschäftslokal befand sich im Biesenkamp 30. Dort vermietete er auch Autos, verkaufte Autozubehör und Benzin. Nach Unterlagen der Stadt Castrop-Rauxel bestand das Geschäft seit dem 25. November 1930. Am 10. Oktober 1931 stieg Hermann Jordans Teilhaber aus dem Geschäft aus – nach Bekunden von Hermann Jordan geschah dies aufgrund „nationalsozialistische[r] Propaganda und verschiedene[r] antisemitische[r] Vorfälle“

Am 30. Mai 1932 meldete Hermann Jordan das Geschäft mit Wirkung vom 31. Mai 1932 ab, obwohl er es nach eigenen Angaben erst zur Zeit des April-Boykotts hatte aufgeben müssen. Nach der Geschäftsaufgabe zog er zurück zu seinen Eltern in die Rheinische Str. 56. Vom 22. Februar 1933 bis zum 15. Mai 1934 war er nach Auskunft der AOK Dortmund bei der Firma Geschwister Jordan GmbH in Dortmund in der Münsterstr. 41-45 als Fahrer beschäftigt. In diesem Unternehmen hatten Arthur und Aaron Jordan unter der Leitung von Arthur ihre beiden Warengeschäfte zusammengeführt. Sein Vater Aaron Jordan hatte sein Geschäft in der Rheinischen Str. 56 zum 31. Dezember 1932 aufgrund der Wirtschaftskrise eingestellt und an seinen Bruder Arthur Jordan übergeben. Seit dem 1. Februar 1932 firmierte die Firma unter dem neuen Namen Geschwister Jordan GmbH. Es handelte sich um ein großes Manufakturwarengeschäft in der Münsterstr. 41-45, in dem Kurz-, Weiß- und Wollwaren sowie „Putz“ (modische Accessoires (wie Spitzen, Paspeln, Bordüren, Kordeln o. Ä.)) verkauft wurden.

Im Mai 1934 wanderte Hermann Jordan nach Palästina aus, wo er sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlug. Von März 1942 bis 1948 arbeitete er in Palästina für die Shell Co. Ltd. Zu einem unbekannten Zeitpunkt nach seiner Auswanderung heiratete er Doris Seligmann. Mit dieser hatte er mindestens eine Tochter, Irith Marion Jordan, die am 19. Januar 1952 geboren wurde. Anfang November 1958 kehrte Hermann Jordan nach Deutschland zurück, da die israelische Shell aufgelöst worden war und er sich um die Erneuerung seiner Anstellung bei Shell in Deutschland bemühen wollte. Nachdem die Shell-AG sich bereit erklärt hatte, ihn in Deutschland anzustellen, reiste er nach Israel zurück, um seine Frau und Tochter nachzuholen und den Haushalt aufzulösen. Am 28. Juni 1958 kehrte Hermann Jordan wieder nach Deutschland zurück, um am 1. Juli 1959 seine neue Arbeitsstelle anzutreten. Als Trainingsstättenleiter erteilte er Unterricht für Tankwarte und Tankstellenbesitzer in Waren- und Verkaufskunde. Im August 1959 kamen Doris und Irith Jordan ebenfalls nach Düsseldorf, wo die Familie seit spätestens Februar 1960 wieder zusammen lebte.

Entschädigung

Bereits 1955 (und in späteren Jahren) hatte Hermann Jordan einen Entschädigungsantrag wegen Verfolgung „aus Gründen der Rasse“ auf Entschädigung für Schäden an Eigentum, Vermögen, im wirtschaftlichen und beruflichen Fortkommen sowie auf Soforthilfe gestellt. Die Ansprüche auf Schäden an Eigentum, Vermögen und im wirtschaftlichen Fortkommen zog er zurück. Für die Ansprüche wegen Schäden im beruflichen Fortkommen und auf Soforthilfe erhielt er am 30. Januar und am 29. Februar 1960 Bescheide. Am 21. November 1963 reichte Jordans Anwalt, nach Jordans Rückkehr nach Deutschland, einen Antrag auf Entschädigung für Schaden an Körper und Gesundheit nach. Mit Bescheid der Landesrentenbehörde NRW vom 21. Mai 1965 erhielt Hermann Jordan ab 1. September 1965 eine Rentenzahlung sowie für die Zeit vom 1. November 1953 an eine Rentennachzahlung sowie eine Kapitalentschädigung. Am 20. Dezember 1965 erhielt er einen erneuten Bescheid, der eine leicht veränderte Rentennachzahlung vorsah.